Der kleine Hungerstein

         So steht der Stein heute, nahe der Straße an dem Sperrwehr am Seedamm

Der Hungerstein am Seedamm

Jetzt folgt der Hungerstein am Seedamm. Dieser sogenannte „kleine Hungerstein“ steht neben dem Wehr an der Straße nach Thale, am "Helsunger Bruch". Einst wurde er auch 1931 von den Leuten im Arbeitsdienst geschaffen und mit der Jahreszahl, einem Sinnspruch und den sich greifenden Händen geziert. Dieses Zeichen stand für Solidarität und wurde später das Symbol der SED. Der Stein stand damals etwa 800 m weiter im Bruch an einer Gabelung des Grabens an einer Brücke. An seiner originalen Stelle habe ich damals noch ein Foto machen können. Bei späteren Bach- und Wege-Pflegearbeiten wurde er durch Unachtsamkeit und fehlendes Interesse mit in die Böschung geschoben und dort mit Aushub bedeckt. Nur durch gezielte Suche habe ich ihn dort wiedergefunden. Wir haben ihn dann gemeinsam geborgen. Der Winzer Kirmann hat ihn dann mit seiner kleinen, wendigen Technik zu uns gefahren. Dort habe ich ihn gereinigt und nach dem Trocknen die Schriftzüge etwas erneuert. Danach stand er mehrere Monate im Museum, bis die Straße am Seedamm wieder fertig gestellt war. Bei den Straßenbaumaßnahmen fand er dort einen neuen, würdigen Platz, nahe der Straße.

Den Erläuterungstext des QR-Codes habe ich hier mit eingefügt:

Der Hungerstein am Seedamm wurde ebenfalls um 1931 angefertigt und errichtet. Damals wurde das Grabensystem zur Entwässerung des Bruches komplett modernisiert und dabei besonders die Wasserversorgung der Obermühle entscheidend verbessert. Am Zusammenfluß der 2 Hauptgräben war dieser Stein aufgestellt. Während der DDR-Zeit wurden die Gräben seltener, und wenn überhaupt, dann mit Maschinen geräumt. Der Stein wurde dabei nicht beachtet und beschädigt und irgendwann verschwand er unter einem Haufen Altholz und Aushub. Nach mehreren Jahren habe ich ihn dann an unten an einer Grabenböschung wiederentdeckt. Er wurde dann von uns, dem Heimatverein geborgen, abgeholt, gereinigt und gepflegt und im Heimatmuseum zwischengelagert. Nach der Neugestaltung der Seedammbrücke 2014 wurde er dem Straßenbauunternehmen übergeben, die für ihn den heutigen, würdigen Platz nahe der Straße fanden. Nun aber folgte, kurz vor der Einweihung, der Protest eines politisch stark engagierten Bürgers. Er meinte, die beiden auf dem Stein eingravierten, sich greifenden Hände, das spätere SED-Zeichen auf dem Stein wäre eine "Huldigung alter, kommunistischer Symbole". Der Protest kam äußerst knapp in der Zeit bei mir an und ich wollte schnell reagieren. Erst der Hinweis auf das alte Erschaffungsjahr brachte dann Ruhe. Im Jahr 1931 gab es noch keine SED. Es war damals das Zeichen für die genossenschaftliche Solidarität!